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Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung

Ein Haus im Ausnahmezustand

Damit die Operngala reibungslos ablaufen kann, müssen alle Gewerke Hand in Hand arbeiten – und zwar in kürzester Zeit. Der Glanz auf der Bühne bedeutet hinter den Kulissen eine logistische Herausforderung

Uwe Arsands Arbeit als Technischer Direktor der Deutschen Oper Berlin findet hinter den Kulissen statt. FOTO: RETO KLAR

Christopher Wasmuth 

Drei Tage läuft der Countdown: Am Donnerstag ist der Vorhang für die letzte reguläre Aufführung der Woche gefallen. Und schon am Sonnabend muss das Haus bereit sein für eins der größten Events des Jahres – die Festliche Operngala der Deutschen Aids-Stiftung. Noch während sich die Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts in ihren Umkleiden abschminken, machen sich die Bühnentechniker ans Werk: „Wir rechnen mit rund 2000 Gästen, die sich im Haus bewegen, die Aufführung genießen und später auch feiern wollen“, sagt Uwe Arsand, Technischer Direktor der Deutschen Oper Berlin. „Das bedeutet einen ganz erheblichen logistischen Aufwand für uns.“

"Wir rechnen mit rund 2000 Gästen, die sich im Haus bewegen, die Aufführung genießen und später auch feiern wollen"

Uwe Arsand, Technischer Direktor der Deutschen Oper Berlin

Denn: Anders als bei den Aufführungen aus dem regulären Spielplan hat sein Team aus rund 130 Beleuchtern, Requisiteuren, Ton-, Bühnen- und Maschinentechnikern keine zwölf Monate Vorbereitungszeit. „Ab Donnerstag arbeiten wir rund um die Uhr“, erzählt Arsand. Die Gala ist, wenn man so will, ein erheblicher Störfaktor im Regelbetrieb. „Das liegt auch daran, dass wir nicht nur die Pulte für das Gala-Orchester, das Bühnenbild für die Haupt- und Nebenbühnen aufbauen, sondern sie später auch innerhalb einer Stunde zurückbauen und mit Tischen für die Gäste bestücken müssen“, erläutert Arsand. Trotz der notwendigen Geschwindigkeit geht es dabei auch um die Liebe zum Detail. Während Aufgänge und Foyers schon vorher auf Hochglanz gebracht und mit Blumengestecken geschmückt wurden, erhalten die Festtafeln ihren letzten Schliff erst in der knappen Stunde zwischen Aufführung und Fest. Das Sicherheitskonzept allein ist eine Herausforderung, die manch einen zur Verzweiflung treiben könnte. Denn in dem ganzen Chaos, zwischen Schiebekulissen, Orchesterproben und technischen Installationen für Videoprojektionen und die Lichtregie, müssen Fluchtwege und Notausgänge stets frei und gesichert bleiben. Darüber wacht die Bauaufsichtsbehörde gemeinsam mit der Feuerwehr - und beide können ihre Erlaubnis für die Veranstaltung auch kurzfristig verweigern, wenn Arsands vielköpfiges Team es nicht schafft, deren vielfältige und strenge Richtlinien rechtzeitig umzusetzen. Arsand ist seit zwölf Jahren Technischer Direktor, entsprechend routiniert kann er an den Ausnahmezustand herangehen. Abgesagt wurde die Gala im Vorfeld noch nie. „Aber wir haben nicht viel Zeit, um die Mängel zu beseitigen.“ Am Abend selbst werden 14 Feuerwehrleute vor Ort sein, um im schlimmsten Fall sofort eingreifen zu können. Dass es dazu gar nicht erst kommt, dafür sorgt auch die Polizei Berlin, mit der sich Arsand bei mehreren Treffen ausführlich berät. „Sind besonders prominente Gäste geladen, wie zum Beispiel der Bundespräsident, dann sucht vor der Gala eine Hundestaffel das Haus nach Sprengstoff ab.“ Überhaupt ist die Oper am Tag der Gala abgeriegelt. Nur registrierte Gäste und ausgewiesene Mitarbeiter erhalten noch Zutritt zum Gebäude.
Wenn das Orchester der Deutschen Oper Berlin spielt, ist die Bühne opulent dekoriert. FOTO: MARCUS LIEBERENZ/BILDBUEHNE
Wenn das Orchester der Deutschen Oper Berlin spielt, ist die Bühne opulent dekoriert. FOTO: MARCUS LIEBERENZ/BILDBUEHNE
Bei den ganzen technischen Vorbereitungen darf Uwe Arsand jedoch nicht den eigentlichen Grund für den ganzen Aufwand aus dem Blick verlieren: die Auftritte der Künstlerinnen und Künstler, die dem Abend erst ihren Glanz und seine Bedeutung im kulturellen Programm der Hauptstadt verleihen. Und natürlich die Moderation von Max Raabe, der durch den Abend führt und die Gäste zu großzügigen Spenden animieren will. „Zu diesem Zweck befinde ich mich im ständigen Austausch mit Alard von Rohr und Jasmin Solfaghari.“ Gemeinsam mit Arsand sind die drei das künstlerische Leitungstrio der Gala. Denn was nützt technische Perfektion, wenn sie am Bedarf und Nutzen für die Aufführenden vorbeigeht? Wie knapp das Programm hinter der Bühne getaktet ist, zeigt auch das zeitliche Drehbuch: Erst zwischen 10 und 13 Uhr erfolgt am Aufführungstag die bauliche Abnahme durch die Aufsicht, sechs Stunden später öffnet die Oper ihre Türen schon für das Publikum. „Bleibt ein Zulieferer während der Vorbereitungen dann mal im dicken Verkehr stecken, kann die Sache haarig werden.“ Die stressigen Schichten von morgens um acht bis nachts um eins oder zwei fordern dann auch von Arsand ihren Tribut. „Wenn die Party so richtig im Gange ist, denke ich mir: Feiert ihr ruhig, ich möchte jetzt lieber nach Hause.“ Kein Wunder, stehen für den Technischen Direktor und sein Team nach der Gala bereits die nächsten Herausforderungen auf dem Programm: Schließlich bereitet sich das Haus an der Richard-Wagner-Straße schon auf den „Ring“ vor, und mit „Heart Chamber“ am 15. November steht direkt die nächste Uraufführung an.
 
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