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Themenwelten Berliner Morgenpost
Familiensportfest 2019

Spielend leicht Fuß fassen

Das Programm „Integration durch Sport“ feiert 30-jähriges Bestehen. Beim Familiensportfest im Olympiapark Berlin wird seine umfangreiche Arbeit vorgestellt. Zudem können sich Kinder auf einem Inlineskate-Parcours ausprobieren

Fußball gehört zu den beliebtesten Schnupperangeboten des IdS-Programms. FOTO: OLIVER RUHNKE / IMAGO

Feuersozietät Berlin Brandenburg
Max Müller 

Sinnstiftende Angebote möchte das Programm „Integration durch Sport“ (IdS) anbieten. Heißt konkret: Das vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) getragene Konzept will Menschen zusammenbringen, die unterschiedliche Hintergründe haben, frei nach dem Motto „Vielfalt verbindet“. Das Konzept geht auf, und zwar mit Erfolg – 2019 feiert das Programm sein 30-jähriges Bestehen.

„Als das Programm 1989 bundesweit aufgelegt wurde, handelte es sich um ein absolutes Novum“, sagt Britt Finkelmann vom Landessportbund Berlin. Auslöser hierfür war die große Welle von Aussiedlern und Spätaussiedlern, die infolge des Mauerfalls vor allem aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kamen. „Damals sind wir viel in die Unterkünfte gegangen, um die Menschen buchstäblich vor Ort abzuholen“, erinnert sich Finkelmann. „Das war und ist wichtig. Denn Sport ist ein erster Schritt hin zu einer gelungenen Integration.“ Mittlerweile hat sich das Aufgabenfeld erweitert, und auch die Zielgruppe ist größer und vielfältiger geworden.

Das Programm IdS, das vom Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat finanziert wird, umfasst im Wesentlichen drei Säulen. Bis heute geblieben sind die aus der Anfangszeit stammenden Schnupperangebote. „Diese stehen grundsätzlich allen Menschen offen und werden an den Brennpunkten angeboten, wo besonders viele Migranten leben.“ Dabei handelt es sich um Angebote, die auch sporadisch besucht werden können und immer wieder auch neue Menschen ansprechen sollen. „Hier geht es erst einmal darum, sich umzuschauen, zu gucken, was passt.“ Beliebt ist stadtweit Fußball. Doch auch andere Sportarten, darunter etwa Kampfsport, Schwimmen und Turnen, sind laut Finkelmann stark nachgefragt.

Im zweiten Schritt könne dann eine Vereinsmitgliedschaft angestrebt werden. „Wir arbeiten eng mit Vereinen zusammen, die integrative Angebote haben. Unsere Förderung umfasst sowohl die Beratung und Weiterbildung als auch die materielle Ausstattung.“ Dabei kann es um die Anschaffung von Sportgeräten gehen oder einen Zuschuss für das Honorar des Übungsleiters. Im vergangenen Jahr arbeitete das Programm IdS in Berlin mit 65 Vereinen zusammen und konnte mehr als 100 Angebote realisieren.

Die dritte Säule betrifft die Qualifizierung von Trainern, Betreuern und Freiwilligen. „Wenn die Sprache nicht das verbindende Moment ist, muss man schauen, wie man den Kontakt zwischen den Menschen anders herstellen kann. In unserem Angebot ‚Fit für die Vielfalt‘ geht es beispielsweise viel um Eigen- und Fremdwahrnehmung und darum, wie man sich in den jeweils anderen hineinversetzen kann“, sagt Britt Finkelmann.

Freiwilliges Engagement spielt wichtige Rolle

In den vergangenen Jahren haben sich die Schwerpunkte des Programms immer wieder verschoben. „In den Anfangsjahren waren wir direkt bei den Aussiedlern in den Heimen und Unterkünften, später haben wir vor allem die Vereinsförderung forciert.“ Das hat sich einmal mehr umgekehrt, als infolge des Syrienkrieges ab 2015 vermehrt Geflüchtete nach Deutschland kamen. „Das war eine herausfordernde und gleichzeitig bemerkenswerte Zeit. In Erinnerung geblieben ist mir die große Welle der Solidarisierung, die wir auch bei uns gespürt haben“, so Finkelmann. Überhaupt spielen die Freiwilligen, die sich beim Programm sowie in den Vereinen engagieren, eine tragende Rolle. Allein in Berlin sind 500 Ehrenamtliche involviert. „Ohne die Ehrenamtlichen wäre unsere Arbeit nicht denkbar. Der Sport verbindet nicht ganz von allein, sondern die Ehrenamtlichen gestalten dies mit ihren Kompetenzen, ihrem Organisationsgeschick und ihrer Leidenschaft“, so Finkelmann.

Beim diesjährigen Familiensportfest im Olympiapark Berlin stellen die Haupt- und Ehrenamtlichen des Programms IdS an einem Stand ihre umfangreiche Arbeit vor. „Allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein Stand allein nicht so viel Aufmerksamkeit erzielt wie ein interaktives Angebot, für das wir ja im Kern auch stehen.“ Deshalb gibt es einen Parcours, auf dem sich Kinder – samt Sicherheitsausrüstung – im Inlineskating ausprobieren können, während die Erwachsenen Zeit haben, sich über Schnupperangebote und integrative Sportvereine zu informieren.
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