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Themenwelten Berliner Morgenpost
Familiensportfest 2019

Jede Stunde ein neues Mitglied

LSB-Präsident Thomas Härtel über die wachsenden Angebote des Vereinssports für alle Altersgruppen

Der Spaß am Sport verbindet die Generationen. FOTO: MAX WEISE

Jörn Käsebier  

Es ist die zehnte Ausgabe des Familiensportfests und zugleich das erste, das über zwei Tage geht. Thomas Härtel sieht es als festen Bestandteil der Sportmetropole Berlin. Es spreche Besucher jedes Alters an, vor allem aber Kinder.

Berliner Morgenpost: Herr Härtel, es ist Ihr erstes Familiensportfest als Präsident des Landessportbunds (LSB). Was sind aus Ihrer Sicht die Highlights?

Thomas Härtel: „Die Finals“ – Berlin 2019 und das Familiensportfest im Olympiapark sind zwei Großveranstaltungen an einem Sportwochenende. Das Familiensportfest des Landessportbunds Berlin ist in diesem Jahr der breitensportliche Fixpunkt der Finals. Wir laden Berliner, Brandenburger und Gäste der Stadt am letzten Wochenende der Sommerferien ein zu mehr als 100 kostenlosen Mitmach-Angeboten der Sportvereine und Sportverbände. Erstmals mit dabei ist ein Kangatraining für Mütter, Väter und Babys. Jedes dieser Angebote ist für sich gesehen ein Highlight. Ganz besonders freue ich mich aber in diesem Jahr auf das Hockey-Turnier. Und mit großem Interesse werde ich auch das Finale der Berliner eFootball-Liga verfolgen.

Für den Berliner Sport ist es ein Jahr der Jubiläen: 70 Jahre LSB, 50 Jahre Jugend trainiert für Olympia und zehn Jahre Familiensportfest. Was sagen die Veranstaltungen über den Stellenwert des Sports in der Stadt aus?
Thomas Härtel ist seit 2018 Präsident des Landessportbunds Berlin. FOTO: SUFFNER/LSB
Thomas Härtel ist seit 2018 Präsident des Landessportbunds Berlin. 
FOTO: SUFFNER/LSB
Berlin ist eine Sportmetropole. Das belegen auch die stetig steigenden Mitgliederzahlen. Aktuell sind 420.067 Männer und 252.721 Frauen Mitglied in Berliner Sportvereinen. Stündlich kommt ein neues Mitglied dazu. Der Landessportbund ist somit die größte zivilgesellschaftliche Organisation unserer Stadt! Jugend trainiert für Olympia & Paralympics ist der größte Schulsportwettbewerb der Welt und wird seit dem letzten Jahr von der neu eingerichteten Geschäftsstelle im Berliner Olympiapark gesteuert. Im September findet die Eröffnungsfeier zum Jubiläumsjahr im Olympiastadion statt. Das Familiensportfest bringt alle zusammen: Vereine, Verbände, den organisierten Sport, Freizeitsportler und die gesamte Familie.

Wie der Name schon sagt, richtet sich das Familiensportfest an die ganze Familie. Wer ist in den Vereinen am aktivsten: Kinder, Jugendliche oder Erwachsene?

Bewegung ist keine Frage des Alters. Unsere Angebote sprechen alle Menschen an, ganz gleich, wie Jede Stunde ein neues Mitglied LSB-Präsident Thomas Härtel über die wachsenden Angebote des Vereinssports für alle Altersgruppen SONNTAG, 28. JULI 2019 4 | EXTRA FAMILIENSPORTFEST 2019 | BERLINER MORGENPOST alt sie sind. Knapp ein Drittel aller Vereinsmitglieder ist jünger als 18 Jahre. Die Zahl der über 51-Jährigen im organisierten Sport bewegt sich auf etwa gleich hohem Niveau. Sorge bereitet uns allerdings die Phase vor allem nach dem Berufseintritt. Gerade Berufstätige zwischen 30 und 45 Jahren müssen gewonnen werden.

 
„Klar ist: In der wachsenden Stadt darf es keinen Wettkampf um bestehende Flächen geben“


Thomas Härtel, LSB-Präsident

Wir werden unsere Vereinsentwicklung noch stärker mit Blick auf Berufstätige mit ihren Familien ausrichten müssen. Wie lassen sich mehr Kinder und Jugendliche für den organisierten Sport begeistern?

Junge Menschen für mehr Bewegung zu begeistern ist eines der zentralen Ziele des Landessportbunds Berlin. Mit unserem Programm „Schule und Sportverein/ -verband“ fördern wir Kooperationen zwischen Bildungseinrichtungen und Vereinen. Mit unserem Programm „Kleine kommen ganz groß raus“ setzen wir bei den ganz Kleinen an. Die Talentiaden und Bewegungsfördergruppen von „Berlin hat Talent“ sind ein Paradebeispiel dafür, wie Schulkinder ihrem Leistungsstand entsprechend gefordert und gefördert werden können. Und die Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit, eine Tochter des LSB, sowie unsere Profivereine bringen mit vielfältigen Aktivitäten Sport- und Bewegungsangebote ebenfalls sehr erfolgreich in unsere Schulen und Jugendeinrichtungen.

Wie bewerten Sie die Situation in Kitas und Schulen: Wird Bewegung genug gefördert?

Grundsätzlich gibt es in Kitas und Schulen große Zustimmung, dass Bewegung gefördert werden muss. Auch weisen Erziehungswissenschaft, Medizin und Neurobiologie immer wieder auf die elementare Bedeutung von Sport und Bewegung im Alltag von Kindern hin. Nur fristet Bewegung im Berliner Kita-Bildungsprogramm leider eher ein Schattendasein. Wer darin klare Handlungsempfehlungen sucht, wird enttäuscht. Das darf nicht sein! Bewegung und Sport fördern nicht nur die motorischen Kompetenzen, sondern beeinflussen ebenso positiv die geistige und soziale Entwicklung von Kindern. Wir versuchen hier entgegenzusteuern, indem wir mit Hochschulen und Ausbildungsstätten kooperieren. Im Herbst startet der berufsbegleitende Studiengang „Sport und Soziale Arbeit“, den wir gemeinsam mit der Deutschen Hochschule für Gesundheit & Sport ins Leben gerufen haben. Ein Kooperationsverbund aus LSB, seinem Kita-Träger „Kinder in Bewegung“ und dem Sozialpädagogischen Institut qualifiziert Erzieherinnen und Erzieher mit sport- und bewegungspädagogischem Profil.

Und wie sieht es aufseiten der Eltern aus?

Wir wollen mit dem Familiensportfest natürlich auch die Eltern erreichen. Wenn alle in der Familie an einem Strang ziehen, bringen Sport und Bewegung Freude auf allen Seiten und sind somit auch der beste Beitrag für ein gesundheitsförderndes Miteinander.

Bieten die Vereine dem Nachwuchs genug, und wo bräuchten sie dabei Ihrer Meinung nach mehr politische Unterstützung?

Die 60.000 Ehrenamtlichen im Berliner Sport leisten tagtäglich eine hervorragende Arbeit. Allen ist klar, dass der Nachwuchs wichtig ist und gefördert werden muss. Von der Politik erwarten wir, dass sie optimale Bedingungen für den Sport schafft. Dafür muss Sport ressortübergreifend wahrgenommen werden und noch stärker in gesundheits-, sozial- und stadtentwicklungspolitische Entwicklungen und Entscheidungen eingebunden werden. Klar ist: In der wachsenden Stadt darf es keinen Wettkampf um bestehende Flächen geben. Es kann nicht angehen, dass es, wie zum Beispiel bei Berliner Fußballvereinen, Wartelisten gibt, weil es an Sportflächen fehlt. Eine wachsende Stadt braucht mehr Sporthallen und -plätze. Wir wollen uns einbringen für eine bewegungsfreundliche Stadtentwicklung und erwarten, dass der Sport bei allen Beteiligten mehr Anerkennung findet.  

Über den LSB

Zusammenschluss

Im Landessportbund Berlin sind zurzeit 80 Sportverbände, davon elf Bezirkssportbünde, mit etwa 2500 Vereinen zusammengeschlossen. Die Sportvereine zählen zusammen mehr als 671.000 Mitglieder und wachsen seit Jahren. Fast 60.000 ehrenamtliche Helfer engagieren sich in ihrer Freizeit für den Sport.

Aufgaben und Ziele

Zu den erklärten Aufgaben des LSB gehört die Koordinierung der Aktivitäten im Freizeit-, Breiten- und Leistungssport in enger Verbindung zum Sport an Kita/Schule/Hochschule sowie zu den Sportwissenschaften. Zu den weiteren Zielen zählen die Förderung des Sportstättenbaus, die Jugendarbeit sowie Integration und Inklusion.
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