Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Familiensportfest 2019

Berlinerin Angelika Matern-Grutzeck hat Herzsportgruppe gegründet

Ehrenamtliches Engagement ist gelebte Demokratie und für Vereine unverzichtbar

Angelika Matern-Grutzeck engagiert sich in mehreren Projekten – und das seit mehreren Jahrzehnten. FOTO: SELLY HÄUSSLER

WM 2019 - Weltmeisterschaft der Islandpferde
Selly Häussler 

„Es macht mir Freude, mit Menschen zusammen zu sein und gemeinsame Ziele zu erreichen“, so beschreibt Angelika Matern-Grutzeck ihre Motivation, gleich mehrere Ehrenämter zu bekleiden. In der Turn- und Sportgemeinde Steglitz 1878, dem Verein, in dem sie mit acht Jahren angefangen hat, Sport zu treiben, ist sie nun zweite Vorsitzende. Außerdem hat die 68-Jährige 1983 eine Herzsportgruppe gegründet, die sie immer noch leitet. Seit einigen Jahren ist sie Vizepräsidentin für Finanzen der Berliner Gesellschaft für kardiologische Prävention. Beim Landessportbund unterstützt Matern-Grutzeck das mobile Team, das heißt, sie hilft beim Ausrichten von Veranstaltungen, etwa dem Familiensportfest. Und sie prüft als Auditorin die Einhaltung der Qualitätskriterien bei der Vergabe von Qualitätssiegeln durch den Landessportbund.

So engagiert sind wenige. Dennoch zeigt der 2016 erschienene „Deutsche Freiwilligensurvey 2014“, der alle fünf Jahre erscheint, dass rund 31 Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich tätig sind. Den größten Anteil stellt dabei die freiwillige Arbeit im Sportverein. Und Sportvereine planen unentgeltliche Mitarbeit fest mit ein, sie könnten ohne kaum existieren.

Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, tun dies meist aus einem bestimmten Antrieb heraus, und der kann sehr unterschiedlich sein. Für einige ist es die Anerkennung der Gemeinschaft, die sie zum Weitermachen motiviert, für andere die Möglichkeit, die eigene Freizeit selbst mitzugestalten. Manche wollen in diesem Rahmen einfach ihr Hobby häufiger ausüben. „Es gibt für einige Bereiche zwar eine Aufwandsentschädigung, die Leute machen das aber aus Freude. Und für viele Aufgaben gibt es auch gar nichts“, sagt Matern-Grutzeck.

„Als Physiotherapeutin konnte ich das weiterführen, was mir im Sportverein gefallen hat: mit Menschen arbeiten und mich bewegen“

Angelika Matern-Grutzeck,
arbeitet freiwillig im sozialen Bereich

Kinder ins soziale Engagement einbeziehen

Die Rentnerin hat die Anzahl der freiwilligen Tätigkeiten immer an ihre jeweilige Lebenslage angepasst. „Als die Kinder noch klein waren, war das sehr eingeschränkt. Aber mindestens einmal in der Woche habe ich immer eine Sportgruppe geleitet. Dadurch, dass ich meine Kinder später dann auch in den Verein mitnehmen konnte, waren manche Dinge leichter koordinierbar. Ich habe mit Kinderturnen angefangen, Gymnastik und Geräteturnen gemacht und bin Trampolin gesprungen, also ganz viele verschiedene Dinge.“

Schließlich hat Matern-Grutzeck ihre ehrenamtliche Arbeit insbesondere im Bereich Gesundheit vertieft. Und auch beruflich den Gesundheitssport zu ihrer Aufgabe gemacht. „Als Physiotherapeutin konnte ich das weiterführen, was mir im Sportverein gefallen hat: mit Menschen arbeiten und mich bewegen“, sagt sie.

Auch während ihrer beruflichen Laufbahn beschränkte sie sich nicht nur auf eine sportliche Tätigkeit. Zwölf Jahre lang war sie zusätzlich Kirchenälteste in ihrer evangelischen Kirchengemeinde. Im Zusammenhang damit spricht sie auch eine weitere Motivation an, die vermutlich viele Ehrenamtliche bewegt: „Wenn ich mit etwas unzufrieden bin, kann ich es nur ändern, wenn ich mich einsetze.“ Denn in Vereinen, Interessengruppen und Verbänden und damit auch im Ehrenamt entstünde der Grundstein politischer Beteiligung. Dabei setzen sich die Bürger zunächst kleine Ziele, sie möchten in ihrem Verein etwas verändern. Hier werden Argumente ausgetauscht, Entscheidungen durch Abstimmungen getroffen und damit der Dialog geübt, der für einen politischen Diskurs notwendig ist. Wenn gemeinsam Verbesserungen erreicht werden, machen die Beteiligten gerne weiter, ist sich auch Matern-Grutzeck sicher.

Und die Realität zeigt auch: Nicht selten mündet Teilhabe im Verein in den Einsatz für kommunalpolitische Themen. Dieses Engagement bildet dann letztendlich nicht nur das Fundament der Vereinsstrukturen selbst, sondern auch das der Demokratie.

Aus Freude an der Sache

Das Institut für Demoskopie in Allensbach hat die Motivation für ehrenamtliche Arbeit untersucht. Die Zahlen wurden bereits 2014 erhoben.

95 Prozent lieben die Freude am Engagement

86 Prozent haben den Wunsch, etwas für andere zu tun

83 Prozent möchten mit ihrem Engagement etwas bewegen

82 Prozent der Befragten möchten damit eine besondere Gruppe erreichen oder verfolgen ein bestimmtes Anliegen

70 Prozent haben den Wunsch, auf diese Weise Dinge am Wohnort oder im lokalen Umfeld zu verändern und zu verbessern

82 Prozent möchten durch das Ehrenamt regelmäßig andere Menschen treffen und neue Kontakte knüpfen

Weitere Artikel