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Classic Open Air 2017

„Die Leidenschaft ist noch da!“

Festivaldirektor Gerhard Kämpfe über große Namen, persönliche Highlights und jünger werdendes Publikum

Gerhard Kämpfe, Festivaldirektor des Classic Open Air PA/APP-PHOTO/RALF MUELLER

Berliner Morgenpost: Herr Kämpfe, im vergangenen Jahr haben Sie das 25. Jubiläum des Classic Open Air Festivals gefeiert. Jetzt geht es in die 26. Runde. Wie motiviert man sich jedes Jahr aufs Neue für so eine große Veranstaltung, die allen Beteiligten sicher viel Kraft abverlangt?

Gerhard Kämpfe: Die Leidenschaft ist noch da. Ich habe nach all der Zeit immer noch ein Gefühl wie Schmetterlinge im Bauch, wenn der erste Abend beginnt. Dass es so lange funktioniert, hat mit unserem Drei-Säulen-Modell zu tun, das sich über die Jahre bewährt hat: Große Namen, Konzeptabende zu einzelnen Komponisten oder Stilrichtungen und Cross-Over Konzerte. Damit meine ich Abende wie Classics of Jazz oder Classics of Swing. Mit dieser Mischung, die von Jahr zu Jahr wieder passend zusammengesetzt werden muss, haben wir es immer wieder geschafft, den Gendarmenmarkt zu füllen und das Publikum zu begeistern. Da müssen wir uns natürlich auch immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Mario Hempel, mein Partner bei Classic Open Air, hat vorgeschlagen, dass wir nächstes Jahr mal einen R’n’B-Abend machen. Das hatten wir so noch nicht.

Große Namen haben Sie auch dieses Jahr wieder im Programm. Wie schwer ist es, einen Weltstar wie René Kollo für das Festival zu verpflichten?

Für ihn ist es ein besonderer Auftritt, da er ja dieses Jahr 80 wird. Gemeinsam mit dem RBB rollen wir ihm deshalb den roten Teppich aus. Auf der Pressekonferenz im Frühjahr konnten sie erleben, wie vital und mit wie viel Vorfreude er diesem Auftritt entgegensieht. Mit Senta Berger als Conférencier und vielen anderen Stars wird das sicher ein besonderes Erlebnis für die Zuschauer.

Haben Sie darüber hinaus ein persönliches Highlight im Programm 2017?

Ich freue mich offen gestanden wahnsinnig auf das Till Brönner Orchestra. Ich hatte das Vergnügen, das Orchester zusammen mit Till aus der Taufe zu heben, denn er hatte mich gebeten, für seine Tour die Regie zu übernehmen. Ich habe ihn auf den 13 Konzerten von Rostock bis Zürich begleitet. Und es gab jeden Abend unglaubliche fünf bis zehn Minuten Standing Ovations, durchgehend von Norddeutschland bis in die Schweiz. Der Abend bietet von Strauß über den klassischen New Orleans Jazz und karibische Klänge bis hin zu „Happy“ von Pharrell Williams, alles in diesem speziellen Till-Brönner-Sound. Dazu noch Helen Schneider und Peter Fessler als Gäste – das wird ein grandioser Abend.

Wie wollen Sie die Klassik Fans dieses Jahr erfreuen?

Am Sonnabend haben wir einen italienischen Opernabend. Das ist ein Klassiker, den wir auf verschiedene Weise immer wieder im Programm haben. Auch die Opernhäuser leben ja nicht zuletzt von den italienischen Komponisten. Italienisch klingt es auch am Freitag mit Lucia Aliberti, der Königin des Belcanto. Lucia Aliberti hat unsere Zuschauer ja schon mehrfach verzaubert. Sie ist sozusagen die musikalische Schirmherrin dieses Belcanto-Abends. Dieses Jahr bringt sie mit Pavel Kolgatin einen wirklich sensationellen Tenor mit. Ihnen stellen wir drei ganz große Nachwuchstalente zur Seite, die alle schon mit Musikpreisen ausgezeichnet wurden. Ich glaube diese Mischung wird die Klassik-Fans unter unseren Zuschauern begeistern.

Warum ein Belcanto-Abend?

Nicht alle wissen genau, was der Begriff Belcanto eigentlich bedeutet. Diese Lieder sind fast alle Hits, entstanden in der großen Zeit zwischen 1800 bis 1840. Es sind wunderschöne Kompositionen, aber eben auch Ohrwürmer. Das ist eine wichtige Bedingung für Classic Open Air. Wir achten darauf, dass populäre Titel dabei sind, die jedermann kennt. Darüber hinaus gibt es natürlich auch Arien oder Orchesterwerke, die weniger bekannt sind und die das Publikum dann entdecken kann.

Die Arien der beliebtesten Opern haben die Menschen früher auf den Straßen gesungen. Heute wird die Oper von vielen eher als elitärer Ort wahrgenommen, das gilt auch für klassische Konzerthäuser. Wie kann man gerade auch junge Menschen für die Klassik begeistern?

Ich nenne Ihnen mal ein paar Beispiele früherer Konzerte. Die Söhne Mannheims mit Xavier Naidoo, die Scorpions mit dem Deutschen Filmorchester, Roger Cicero oder auch Unheilig. Wenn wir diese Künstler vor einen klassischen Klangkörper stellen, merken die jungen Leute, dass es gar nicht wehtut, wie mein Partner Mario Hempel immer sagt. Im Gegenteil, die stellen fest, dass es großartig klingt. So haben wir es geschafft, das Publikum in den vergangenen Jahren um zehn bis zwölf Jahre zu verjüngen. Das gelingt mit den bekannten Namen und Abenden wie den Classics of Rock oder Classics of Jazz.

Dieses Jahr haben Sie keinen Popstar im Programm, wie etwa Chris de Burgh im vergangenen Jahr. Wollten Sie Klassik und Jazz mehr Raum geben?

Die Mischung muss stimmen. Am ersten Abend haben wir ja eine sehr bunte Mischung, in der es neben Klassik auch viele populäre Stücke geben wird. The Dark Tenor ist auch ein junger Musiker, der seine Generation anspricht. Mir gefällt seine Einstellung: Er kommt aus der Klassik und findet es schade, dass diese Musik an vielen jungen Leuten vorbei geht. Und er hat einen Stil gefunden, der viele in seiner Generation begeistert. Übrigens ist auch unser Klavierabend am Sonntag etwas für das jüngere Publikum. Da haben wir ja alles zusammen: Den Klassik-Pianisten, den Jazzer, den Boogie-Woogie-Experten und den brillanten Entertainer Joja Wendt.

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Karten An Vorverkaufstellen, www.classicopenair.de und www.ticketmaster.de, am Ticket-Container Gendarmenmarkt, Charlotten-/Taubenstraße, Mo.-Fr.., 10 bis 18 Uhr, an den Konzerttagen 10 bis 21 Uhr, Hotline: 01806/999000606

Ermäßigungen Rollstuhlfahrer bezahlen mit Begleitperson für eine Karte, Schwerbehinderte (ab Behinderung von 80 Prozent) den halben Preis, Kinder bis drei Jahre frei. Karten am Servicecenter, unter 030/31575413 oder ticket@classicopenair.de

Parkplätze Konzertbesucher können an den Konzerttagen zum „Classic-Open-Air-Tarif“ von 5,50 Euro im Conti-Parkhaus Friedrichstadt-Passagen (Einfahrt Tauben- und Jägerstr.) parken. Das Ticket kann am Automaten im Parkhaus bezahlt werden, es gilt von 18 bis 1 Uhr.

VIP-Arrangement Besitzer von VIP-Tickets (191 Euro) sitzen direkt vor der Bühne (A + G). Außerdem haben sie Zugang zur Gold-Lounge, 1,5 Stunden vor dem Konzert und in der Pause, mit Catering-Service. Parkplatz in der Tiefgarage.
www.classicopenair.de

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