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Themenwelten Berliner Morgenpost
Classic Open Air 2019

Berlinerin Sharon Brauner und Culcha Candela beim Classic Open Air

Die „First Night“ beleuchtet unter dem Motto „Berlin, Berlin“ 200 Jahre hiesige Musikgeschichte

Culcha Candela kombinieren Pop und Clubsounds. FOTO: LEON HAHN

Ronald Klein 

„Selten bestand das Auftaktkonzert aus so einem facettenreichen Programm“, sagt Gerhard Kämpfe, künstlerischer Leiter des Festivals. „Wir präsentieren einen Querschnitt aus 200 Jahren Musikgeschichte.“ Zwar deuten das 450. Jubiläum der Staatskapelle im kommenden Jahr und das 230. Jubiläum der Sing-Akademie im folgenden Jahr auf ältere Traditionslinien in der Stadt hin. Jedoch markieren erst die 1820er-Jahre den Übergang der höfischen Musikkultur in einen bürgerlichen Kontext. Die Aufführung der wiederentdeckten Matthäus-Passion 1829 unter Leitung des damals gerade einmal 20-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy und die damit verbundene Renaissance der Bach-Renaissance zählen ebenso dazu wie die Uraufführung der Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber am Gendarmenmarkt. „Das war wie ein Urknall“, betont Kämpfe. Stephan Rügamer, der seit mehr 20 Jahren an der Staatsoper Unter den Linden als Ensemblemitglied wirkt, singt gemeinsam mit der Koloratursopranistin Jennifer Riedel (Sächsische Staatsoper Dresden) Auszüge aus dem wegweisenden Werk, das als erste deutsche Nationaloper bezeichnet wird . So erklingen etwa „Durch die Wälder, durch die Auen“ und „Einst träumte meiner sel’gen Base“.
Kim Fisher führt durch den Abend. FOTO: RBB/THOMAS ERNST
Kim Fisher führt durch den Abend. FOTO: RBB/THOMAS ERNST
Mit der Jahrhundertwende gewann die Operette an Popularität. Neben Paris und Wien galt Berlin als dritte wichtige Metropole des Genres. Hier wirkten Komponisten wie Eduard Künneke, Walter Kollo und natürlich Paul Lincke, dessen „Berliner Luft“ einen klassischen Gassenhauer darstellt, den Riedel und Rügamer neben anderen Hits aus der Epoche interpretieren.

Von dort geht es direkt ins 20. Jahrhundert. Andrej Hermlin und seine Kinder Rachel und David spielen einen Querschnitt von Songs aus der Swing-Ära. Schauspielerin und Sängerin Angelika Milster verneigt sich vor Harald Juhnke (1929–2005) und Evelyn Künneke (1921–2001). „Sie war für mich so etwas wie eine mütterliche Freundin“, gibt Angelika Milster zu. „Als ich als Anfängerin nach Berlin kam, habe ich längere Zeit bei ihr gewohnt. Sie hat mir oft von ihrem Vater Eduard erzählt. Auch musikalisch konnte ich viel von ihr lernen. Mit Harald Juhnke durfte ich öfter zusammenarbeiten. Seine enorme Begabung, seine Vielseitigkeit, aber auch sein Humor bleiben mir unvergesslich.“

Ohrwurmgarantie und kulturelle Querverweise

Doch Nostalgie muss nicht aufkommen, denn wie künstlerisch lebendig Berlin nach wie vor ist, beweisen beispielsweise Chansonnier Klaus Hoffmann, die Schauspielerinnen und Sängerinnen Sharon Brauner und Anna Loos sowie die Dancehall-Formation Culcha Candela mit brandneuen Songs.

Die einzelnen Programmpunkte verweisen mit Auftritten unter anderem von Georg Kranz (langjähriger musikalischer Leiter des Grips Theaters) und Auszügen aus dem Doris-Day-Stück am Schlosspark Theater aber auch auf die Bühnentradition Berlins. Gerhard Kämpfe und sein Dramaturg Jürgen Hagen haben einen ausgeklügelten Ablauf mit zahlreichen Querverweisen entworfen. Jedoch muss dabei niemand fürchten, den Überblick zu verlieren. Moderatorin Kim Fisher erläutert die Zusammenhänge mit pointierten Hintergrundinformationen.
  

Donnerstag, 4. Juli, 19.30 Uhr

Kurzporträts der Mitwirkenden
Sharon Brauner singt unter anderem Marlene Dietrich. FOTO: MATTHIAS BOTHOR
Sharon Brauner singt unter anderem Marlene Dietrich. FOTO: MATTHIAS BOTHOR
Sharon Brauner

Die Berliner Schauspielerin und Sängerin stand bereits im Alter von drei Jahren auf der Bühne. Neben Mitwirkung in mehreren TV- und Kinofilmen sowie Solo-Alben und –Bühnenprogrammen, trat sie auch als Regisseurin und Drehbuchautorin in Erscheinung.

  
Andrej Hermlin tritt mit seinen Kindern auf.FOTO: U. HAUTH
Andrej Hermlin tritt mit seinen Kindern auf.
FOTO: U. HAUTH
Andrej Hermlin

Mit vier Jahren hörte er Benny Goodmans Musik und war sofort elektrisiert. Der Swing hat ihn früh gepackt und nie wieder losgelassen. Heute zählt der Berliner Pianist zu den erfolgreichsten deutschen Swingmusikern. Mit seinem Swing Dance Orchestra unternimmt er Tourneen durch die USA, nach Hongkong und London. Als Solisten bringt er auf den Gendarmenmarkt seine Kinder Rachel und David mit, die beide schon mit dem Jungen Ensemble im Friedrichstadt-Palast Erfolge feierten.
  
Klaus Hoffmann singt seine Hymnen an Berlin. FOTO: MALENE
Klaus Hoffmann singt seine Hymnen an Berlin. 
FOTO: MALENE
Klaus Hoffmann

Der vielseitige Berliner Künstler wollte sich nie zwischen Schauspiel und Musik entscheiden. Schon früh zog er mit seiner Gitarre und seinen Liedern durch die Clubs. Seine ersten Erfolge feierte Klaus Hoffmann aber in Theatern und Filmen. Ingmar Bergmann holte ihn für „Das Schlangenei“ vor die Kamera. Für „Die Leiden des jungen W.“ bekam er den Bambi. Danach intensivierte er wieder seine Musikerkarriere. Dutzende von Alben hat der Sänger in den letzten vier Jahrzehnten herausgebracht. Als wenn das alles nicht genug wäre, hat er auch noch mehrere Romane geschrieben. Beim Classic Open Air ist er immer wieder gern zu Gast.
  
Jetzt auf Solopfaden: Anna Loos. FOTO: KRISTIAN SCHULLER
Jetzt auf Solopfaden: Anna Loos. FOTO: KRISTIAN SCHULLER
Anna Loos

Sie zählt nicht nur zu den gefragtesten deutschen Schauspielerinnen. Auch als Sängerin ist sie längst eine Größe. Zwölf Jahre lang trat sie mit der Band Silly auf. „Werkzeugkasten“ heißt ihr erstes Soloalbum, an dem sie zwei Jahre lang gearbeitet hat. Ihre Songs erzählen Geschichten aus ihrem Leben, von Leidenschaft, Träumen und Fantasie. Einige davon wird sie auf dem Gendarmenmarkt singen.
  
Angelika Milster verneigt sich vor Weggefährten. FOTO: M. OLSCHEWSKI
Angelika Milster verneigt sich vor Weggefährten. FOTO: M. OLSCHEWSKI
Angelika Milster

„Memories“ – unvergessen ist ihr großer Hit aus den 80er-Jahren. Mit dem Musical „Cats“ hat Angelika Milster den Durchbruch geschafft. Sie zählt zu den wenigen Musical-Stars aus Deutschland, auch wenn sie nie in die schillernde Welt des Broadways oder des Londoner West Ends eingetaucht ist. Riesig ist das Repertoire der Sängerin. Die Palette reicht von Schlagern, Popsongs, Chansons, Musical- und Filmmusik bis hin zu Schubert, Schumann und Weihnachtsliedern. Open-Air-Konzerte gibt sie normalerweise allein mit ihrem eigenen Orchester, doch für das Classic Open Air macht sie gern eine Ausnahme.
   
Ilja Richter bringt eine Hommage an Harald Juhnke. FOTO:D. DEHMEL
Ilja Richter bringt eine Hommage an Harald Juhnke. 
FOTO:D. DEHMEL
Ilja Richter

Als Moderator der Fernsehsendung „Disco“ ist der Berliner in den 70er-Jahren berühmt geworden. Der freche junge Charmeur von damals ist längst ergraut, hat sich als Schauspieler, Sänger und Autor eine neue Karriere aufgebaut. Gern gestaltet er musikalisch-literarische Programme. Beim Classic Open Air bietet er Ausschnitte aus seiner neuen Harald-Juhnke-Hommage.

Stephan Rügamer

Zwei Jahre wirkte er als lyrischer Tenor am Theater Lübeck, bevor ihn Daniel Barenboim an die Staatsoper Unter den Linden holte. Seit 20 Jahren zählt Stephan Rügamer zum Ensemble. Ende Juni ist er dort in „Tristan & Isolde“ und im September im „Ring des Nibelungen“ – zwei Wagner-Klassikern – zu erleben.

Peter Sommer

Der österreichische Dirigent mit einem ausgesprochen facettenreichen Repertoire leitet seit der Spielzeit 2018/2019 die Junge Philharmonie Brandenburg. Gastspiele führten ihn an die großen europäischen Häuser und ebenso regelmäßig nach Mexiko und Südkorea.
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