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Themenwelten Berliner Morgenpost
Classic Open Air 2019

Überblick über die fünf Klassik-Abende bei Berlins Classic Open Air

Das Classic Open Air geht in die 28. Runde

Anna Loos (v.l) , Tobias Künzel, Florian Czismadia, Sebastian Krumbiegel, Axel Zwingenberger und Yury Revich auf dem Gendarmenmarkt. FOTO: CHRISTIAN KIELMANN

Barbara Hoppe 

Vor fast 200 Jahren feierte Carl Maria von Webers romantische Oper „Der Freischütz“ im damaligen Königlichen Schauspielhaus Berlin (dem heutigen Konzerthaus) die Welturaufführung. Am 4. Juli hört man sie vor diesem Gebäude erneut, wenn auch nur in Auszügen. Wenn bei der „First Night“ des diesjährigen Classic-Open-Air-Festivals die ersten Töne über den wahrscheinlich schönsten Platz Berlins wehen, leuchten nicht nur die Augen der Zuschauer im Publikum, sondern auch auf den zahlreichen Balkonpartys rund um den Platz wird es still werden. Spannung liegt dann in der Luft und Festivalleiter Gerhard Kämpfe wird zu diesem Zeitpunkt bereits zahlreiche Stars beruhigt haben, denn auch erfahrene Profis packe plötzlich das Lampenfieber angesichts von 6000 Zuschauern auf dem Platz, weiß der Festivaldirektor zu berichten. Für alle, die nicht dabei sein können, zeichnet der TV-Sender rbb den Abend auf, der im Anschluss von allen dritten Programmen ausgestrahlt wird.

Gewachsene Tradition

Das Classic Open Air blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1991 entstand die Idee, ein Musikfestival auf dem Gendarmenmarkt zu veranstalten, bereits ein Jahr später markierte Star-Tenor José Carreras den Auftakt des neuen Events, dem zwei Konzerte folgten. Mittlerweile feiert man fünf Tage lang die Musik mit einem Programm, das einmal mehr die große musikalische Bandbreite des Classic Open Airs zeige, betont Gerhard Kämpfe. Ganz im Zeichen von 200 Jahren Berliner Musikgeschichte ist der Auftakt „First Night“ eine Liebeserklärung an die Stadt an der Spree. Zahlreiche Berliner Größen aus Musik und Entertainment bereiten sich mit aufwendigen Arrangements auf diese Zeitreise vor. Ob der Swing der Goldenen Zwanziger mit den Swingin’ Hermlins, die 70er-Jahre mit Liedern von Harald Juhnke, gesungen von Ilja Richter, oder die moderne Melange aus Pop und Hip-Hop von Culcha Candela – aus jeder Epoche und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Und gratis gibt es die grandiose Kulisse des Deutschen und Französischen Doms, gekrönt vom traditionellen Feuerwerk am Abend der First Night.

Quer durch alle Genres

Mit ihrem aktuellen Album „Werkzeugkasten“ und neuer Band kommt auch Anna Loos. Die Lieder sind eine Reise durch das Leben der Schauspielerin und ehemaligen Silly-Frontfrau. Eine Auswahl dieser Songs ist am Eröffnungsabend zu hören, begleitet wie viele andere Stars des ersten Tags vom Deutschen Filmorchester Babelsberg und dem Chor des Jungen Ensembles Berlin. Es gehört zur Tradition der Veranstalter ganz bewusst auf die Unterscheidung zwischen sogenannter E- und U-Musik zu verzichten. Da einige der Zuschauer selten klassische Konzerte besuchen, ist es erklärtes Ziel, die Klassik aus dem vermeintlich bildungsbürgerlichen Elfenbeinturm herauszuholen und ganz selbstverständlich Pop mit großem Orchester zu kombinieren.

Das Festival ist also der ideale Einstieg, neue Welten zu entdecken. Vor allem die „Highlights der Klassik“ laden zu einer Reise durch die größten Werke der Vergangenheit ein, wobei die Anhaltische Philharmonie Dessau gern auch mit der einen oder anderes Entdeckung aus der Raritätenkiste aufwartet. Wenn Meistergeiger Yury Revich aus Wien dazukommt, läuft sogar der Gendarmenmarkt Gefahr, für einen Moment von der über 300 Jahre alten Stradivari-Geige des Virtuosen überstrahlt zu werden. Viel Energie und zündende Musik verspricht nicht nur die italienische Operngala, sondern auch „acht Hände an zwei Flügeln“, die mit jeder Menge Boogie-Woogie und Jazz den Gendarmenmarkt zum Schwingen bringen.

Die Prinzen sind in diesem Sommer zum ersten Mal dabei. Für sie schließt sich in dem Konzept der Classic Open Air ein Kreis: Als Kinder sangen sie Bach im Thomanerchor und im Dresdner Kreuzchor, heute stehen sie bei einem Festival auf der Bühne, das Klassik mühelos mit Popmusik verbindet, und finden es einen echten „Hammer“, ihre Hits aus 25 Jahren mit dem Orchester der Musikalischen Komödie Leipzig in neuem Gewand zu spielen. „Berlin ist für uns immer wieder ein Highlight“, fasst Sebastian Krumbiegel, Sänger der Prinzen, seine Vorfreude auf das Classic Open Air zusammen. „Es ist ein Ritterschlag, dabei sein zu dürfen.“

Fünf Klassik-Abende im Überblick

Do., 4. Juli, 19.30 Uhr
First Night – Berlin, Berlin!

Mit einer großen Hommage an die Musikstadt Berlin startet das Classic Open Air in die neue Saison. Das Filmorchester Babelsberg begibt sich auf eine Zeitreise durch die Stadtgeschichte von der Epoche der Romantik bis heute. Der Festivalauftakt wartet immer mit einem großen Staraufgebot auf. Angelika Milster, Anna Loos, Klaus Hoffmann, Ilja Richter, Culcha Candela, George Kranz, Karsten Troyke, Sharon Brauner, Kim Fisher, Andrej Hermlin, Stephan Rügamer, Jennifer Riedel und Carsten Sabrowski sind diesmal dabei.
Fr., 5. Juli, 19.30
Highlights der Klassik

Die ganze Welt der klassischen Musik an einem Abend bietet die Anhaltische Philharmonie Dessau mit zahlreichen Solisten, Chor und Tänzern. Das pralle Programm reicht über drei Jahrhunderte von Vivaldis barocken „Vier Jahreszeiten“ bis zu Schumanns romantischer „Träumerei“. Einsteiger und Klassikfreunde werden an der bunten Mischung ihre Freude haben. Feuerelemente und Lichterspiele illuminieren den Abend stimmungsvoll.
Sbd., 6. Juli, 19.30 Uhr
Opera Italiana – die italienische Operngala

„Casta Diva“, „Va, pensiero“ - jeder lässt sich gern von den großen italienischen Opernmelodien verzaubern. In Italien wurde die Oper geboren. Aus dem Land jenseits der Alpen stammen auch die meisten berühmten Opernkomponisten wie Verdi, Puccini oder Rossini. Die goldene Ära zwischen Belcanto und Verismo beleuchtet das spielfreudige Ensemble des Theaters Vorpommern. Generalmusikdirektor Florian Csizmadia bringt Orchester, Chor, Solisten und seinen Intendanten als Moderator mit.
So., 7. Juli, 19.30 Uhr
Vier Pianisten - Ein Konzert

So ein Ensemble gibt es nicht noch einmal auf der Welt. Der stilistisch vielseitige Entertainer Joja Wendt trifft auf den Klassikpianisten Sebastian Knauer, den Jazzer Martin Tingvall und das Boogie-Urgestein Axel Zwingenberger. Alle vier sind in ihrem Fach international gefragt. Gemeinsam erschaffen sie eine neue Pianowelt zwischen Schumann und „Summertime“, zwischen raffinierten Harmonien und rollenden Bässen. Vierzig fliegende Finger an zwei Flügeln lassen Tastenliebhaber abheben.
Mo., 8. Juli, 19.30 Uhr
Die Prinzen & Sinfonieorchester

Ihre großen Hits hat jeder im Ohr. „Alles nur geklaut“, „Ich wär so gerne Millionär“, „Du musst ein Schwein sein“ und „Küssen verboten“ haben sich in den letzten drei Jahrzehnten schon fast zu Evergreens entwickelt. Diesmal lassen sich die Prinzen vom Orchester der Musikalischen Komödie Leipzig begleiten. Die Arrangements wurden eigens für das Konzert geschrieben. Die Welt der Klassik ist den Musikern nicht fremd. Schließlich ist die Vokalband aus dem Thomanerchor Leipzig hervorgegangen. Christina Stürmer und Fools Garden sind als Special Guests mit von der Partie.
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