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Themenwelten Berliner Morgenpost
Classic Open Air 2019

Berlins Classic Open Air mit der Anhaltischen Philharmonie Dessau

Die Anhaltische Philharmonie Dessau gestaltet unter Leitung ihres Generalmusikdirektors Markus L. Frank mit den „Highlights der Klassik“ ein neues, epochenübergreifendes Programm beim Classic Open Air

Nach dem erfolgreichen Auftritt im vergangenen Jahr ist das Orchester auch in diesem Jahr beim Classic Open Air zu erleben. FOTO: CLAUDIA HEYSEL

Martina Helmig 

„Bei uns in Dessau sind Open-Air-Veranstaltungen sehr beliebt“, erzählt Markus L. Frank, der seit 2016 Generalmusikdirektor am Anhaltischen Theater ist. Im Sommer hat er immer Schwierigkeiten, die Zuschauer ins Theater zu locken. Aber sowie ein Konzert draußen stattfindet, strömt das Publikum in Scharen. „In der Natur der Musik zu lauschen, kommt einfach gut an.“ Wenn er mit seiner Anhaltischen Philharmonie auf dem Berliner Gendarmenmarkt auftritt, ist er also ganz in seinem Element. Im letzten Jahr hat er beim Classic Open Air schon einen Wagner-Abend gestaltet, diesmal präsentiert er „Highlights der Klassik“. „Es wird ein unterhaltsamer, bunter Abend, der von Bach bis Offenbach quer durch die Epochen geht“, verspricht der Dirigent. Zahlreiche Gesangs- und Instrumentalsolisten, Chor und Tänzer sorgen für Abwechslung.

Für die Musiker ist das vielseitige Programm durchaus eine Herausforderung. „Vom Barock bis zur großen romantischen Oper ist alles gefragt, was ein Orchester leisten kann“, meint Frank. „Es erfordert schon Fingerspitzengefühl, zwischen den Epochen hin- und herzuwechseln.“ Er selbst muss sich nicht nur auf viele unterschiedliche Solisten, sondern auch auf die Pyrotechnik einstellen. „Ich habe den Feuerwerkern eine Aufnahme von Tschaikowskys ‚Ouvert solennelle‘ zukommen lassen, die vom Tempo her dem entspricht, wie wir es spielen. So können sie es vorbereiten, einrichten und üben“, erklärt er. Markus L. Frank kennt sich in Berlin gut aus. Er hat öfter an der Deutschen Oper dirigiert, und zu Weihnachten gastiert er jedes Jahr mit seinem Dessauer Orchester im Berliner Konzerthaus. Im Anhaltischen Theater hat er auch viele Berliner Stammgäste, die die konservativeren Inszenierungen schätzen oder sich für die Raritäten interessieren, die in Dessau gespielt werden. Frank: „Ich finde es schön, wenn die Berliner sehen, dass auch in sogenannten Provinz gutes Theater und Musik auf höchstem Niveau gemacht werden.“ Und wer weiß, vielleicht gewinnt das Anhaltische Theater durch das Classic Open Air noch ein paar weitere Stammgäste.

Der Dirigent hat eigentlich als Solohornist im NDR Elbphilharmonie Orchester begonnen. Eines Tages sprang er spontan für einen ausgefallenen Dirigenten beim Landesjugendorchester Baden- Württemberg ein, wo er als Solist engagiert war. „Es war ein Wahnsinnsgefühl. Nicht ich bewegte mich zur Musik, sondern meine Bewegungen lösten die Musik aus. Damals wusste ich, dass ich unbedingt Dirigent werden musste“, erinnert er sich. Nach dem Studium landete er gleich an der Kieler Oper. Als Generalmusikdirektor wechselte er nach Sondershausen und Nordhausen, bevor er in Dessau ein ganz besonderes Orchester fand. „Jeder Musiker hat Lust, bis an die Grenzen zu gehen, und das Orchester reagiert sehr sensibel auf meine Gesten. Zum einen sind dadurch unsere Proben sehr effektiv, zum anderen ermöglicht dies eine große Spontanität im Konzert.“ Sein Horn holt er immer wieder einmal aus dem Koffer, aber nur zu Hause. Manchmal übt er gemeinsam mit seinem jüngsten Sohn, der Horn lernt.

Den Wechsel zum Taktstock hat er nicht bereut: „Man lernt als Dirigent nie aus, weil es immer neue Stücke zu studieren gibt und die Aufgaben so vielfältig sind. Der Beruf hält einen fit und frisch.“ Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Familie durch das Theater zu kurz kommt. Umso mehr freut sich Markus L. Frank deshalb auf die Sommerferien. Nach dem Classic Open Air unternimmt die Familie eine einwöchige Radtour von Gasthof zu Gasthof und spannt dann in einem einsamen Landhaus in den italienischen Bergen aus.

Freitag, 5. Juli, 19.30 Uhr

Kurzporträts der Mitwirkenden
In mehreren Stimmlagen zu Hause: Hagen Matzeit. FOTO: PRIVAT
In mehreren Stimmlagen zu Hause: Hagen Matzeit. FOTO: PRIVAT
Hagen Matzeit

Er ist ein gefragter Bariton. Und ein beliebter Countertenor. Hagen Matzeit ist in der tiefen und der hohen Stimmlage zu Hause. Das ist mehr als ungewöhnlich, aber der Erfolg gibt ihm recht. Er singt nicht nur Klassik, sondern auch Popsongs. Der Sänger will sich einfach keine Grenzen setzen. Er selbst vermutet, dass das vielleicht daran liegt, dass er in der DDR mit der Mauer aufgewachsen ist.
Katarzyna Dondalska zählt zu den Stammgästen des Festivals. FOTO: SUSE BECK
Katarzyna Dondalska zählt zu den Stammgästen des Festivals. FOTO: SUSE BECK
Katarzyna Dondalska

Die Sopranistin ist bereits zum sechsten Mal auf dem Gendarmenmarkt dabei. Mit ihrem hellen Koloratursopran schwingt sie sich mühelos in schwindelnde Höhen empor. „Spezialistin für Unsingbares“ hat die Presse die polnische Nachtigall getauft. Früh begann ihre Karriere – als Geigerin. Dann zog sie andere Saiten auf und machte international als Stimmbandartistin auf sich aufmerksam. Sie brillierte als Königin der Nacht, Konstanze und Zerbinetta an deutschen und polnischen Opernhäusern, aber auch in den USA.
  
Seit 2009 führt Sebastian Reinthaler den Titel Kammersänger FOTO: LAURA THELEN
Seit 2009 führt Sebastian Reinthaler den Titel Kammersänger 
FOTO: LAURA THELEN
Sebastian Reinthaller

Auf väterlichen Wunsch begann er ein Architekturstudium, bevor die Liebe zur Musik endgültig durchbrach und er in die Opernklasse des Wiener Konservatoriums wechselte. Nach kurzen Stationen in St. Pölten und Luzern kam Sebastian Reinthaller früh ins Ensemble der Wiener Volksoper, wo er für lange Zeit sein künstlerisches Zuhause fand. In mehr als 800 Vorstellungen hat er dort und an der Wiener Staatsoper an der Seite von Stars wie Placido Domingo und Anja Silja gestanden. Daneben leitete der österreichische Kammersänger drei Jahre lang die Bühne Baden.
  
Yuri Revich spielt auf einer Stradivari aus dem Jahr 1709. FOTO: LORENZO MONTANELLI
Yuri Revich spielt auf einer Stradivari aus dem Jahr 1709. FOTO: LORENZO MONTANELLI
Yuri Revich

Vor sechs Jahren gab der damals gerade einmal 22-Jährige sein umjubeltes Debüt an der Mailänder Scala. Der österreichische Violinist kann in der Tat auf eine Bilderbuchkarriere zurückblicken: Er spielte regelmäßig mit renommierten Orchestern zusammen gewann bereits zahlreiche internationale Auszeichnungen. Vor vier Jahren initiierte er in Wien die Reihe „Friday Nights with Yuri Revich“, deren Einnahmen in die Förderung und Vernetzung junger Künstler fließen.

Manos Kia

Eigentlich deutete alles auf eine Karriere in einer anderen künstlerischen Richtung: Der Deutsch- Iraner studierte Schauspiel an der „Berliner Schule für Bühnenkunst“. Parallel dazu nahm er ein Gesangsstudium bei Kammersängerin Renate Behle in Hamburg auf. In den vergangenen Spielzeiten begeisterte der Bariton unter anderem an der Staatsoper Unter den Linden, bei den Osterfestspielen Baden-Baden und beim Opernfestival in Kopenhagen.  
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