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Berliner Banken im Umbruch: FinTech-Konkurrenz wächst

Die Branche digitalisiert sich und gehört zu den wenigen, die Beschäftigte abbauen. Die FinTech-Konkurrenz dagegen wächst

Es gibt immer weniger Filialen mit Schalterbetrieb. FOTO: YINYANG / ISTOCK

Dussmann Group
Doch wie reagieren die Finanzinstitute perspektivisch auf diese Herausforderungen? „Die beste Antwort auf Veränderungen und Innovation ist, selbst innovativ zu sein. Die digitale Transformation des Bankings bringt viele Chancen mit sich: Banken können neue Produkte und Dienstleistungen für ihre Kunden entwickeln“, beurteilt Iris Bethge vom Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) die Lage. So investiert die Deutsche Bank zunehmend in Online- und Telefonberatung und testet gerade in ihrem Servicecenter an der Otto-Suhr-Allee die Beratung per Videoschaltung für Privatkunden. An der Friedrichstraße präsentiert sie gar die Bankfiliale der Zukunft, „Quartier Zukunft“, mit digitalen Dienstleistungen, Coworking-Spaces für Start-ups, Kunst und Vortragsprogramm. Die Berliner Sparkasse wiederum erweitert ihr Onlinebanking und bietet Kurse für Onlinebanking als Einstiegshilfe an. Darüber hinaus tüftelt sie im Verbund mit fast 600 anderen Sparkassen an der App Yomo, einem mobilen Girokonto für jüngere Zielgruppen. Einführung wahrscheinlich 2020.

Doch die digitale Konkurrenz schläft nicht. FinTechs wie der Berliner Shootingstar N26 haben enorme Wettbewerbsvorteile. Sie betreiben keine Filialen, kommen mit weniger Personal aus und bieten nur einen Teil der Dienstleistungen der Allrounder-Banken an. Aber ähnlich wie in der Versicherungsbranche stehen auch im Finanzsektor die Zeichen auf Kooperation. FinTechs sind in den vergangenen Jahren zu wichtigen Partnern und Impulsgebern bei der Digitalisierung der Branche geworden. Sie bieten für Teile der Wertschöpfungskette neue und gute Lösungen. Zudem können Banken durch den Fremdbezug digitaler Prozesse Kosten sparen und die eigene IT optimieren“, so VÖB-Hauptgeschäftsführerin Bethge.

Fachkräfte fehlen

Aber auch die Start-ups profitieren vom Know-how der traditionellen Markteilnehmer. Etwa um die strengen Regularien für eine Banklizenz zu erfüllen. Von Harmonie zu sprechen wäre trotzdem realitätsfern. Allein bei der Suche nach Fachkräften herrscht ein reger Konkurrenzkampf. Es gibt zu wenige, und die freigesetzten Bankmitarbeiter werden nicht einfach von den offenen Stellen der FinTechs aufgefangen. Dieser Tatsache trägt auch eine Hauptforderung von Verdi Rechnung. Die Banken sollten ihre Mitarbeiter bei der Weiterbildung zu Fachkräften unterstützen. Also beispielsweise eigene Spezialisten für IT oder Controlling ausbilden und ihre Marktlage entscheidend verbessern.
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