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Themenwelten Berliner Morgenpost
Abitur 2019

Berliner Gymnasien mit Schnelllernerklassen für Hochbegabte

Hochbegabte Jugendliche gehen schon ab dem fünften Schuljahr aufs Gymnasium. In Schnelllernerklassen werden sie ihren Begabungen entsprechend geschult. Ihr Abi machen sie wie alle anderen auch nach zwölf Schuljahren

Mathe und Deutsch werden in den Schnell lernerklassen im erweiterten Durchgang gelehrt. FOTO: SEB_RA / ISTOCK

Dagmar Trüpschuch  

Bald hat sie es geschafft, die Uni ruft, in diesem Monat hat Larissa Kilian ihr Abi in der Tasche und die Schulzeit am Dathe-Gymnasium nach zwölf Jahren abgeschlossen. Mitte Mai steckt sie noch mitten in ihrer Abiturprüfung – Mathe, Physik, Deutsch, Chemie und Erdkunde/Geschichte sind ihre Prüfungsfächer. Sie blickt auf eine spannende Zeit zurück: Bis zur Oberstufe war sie Schülerin einer Schnelllernerklasse.

Insgesamt sieben Berliner Gymnasien haben Schnelllernerklassen: Neben dem Dathe-Gymnasium noch Humboldt- , Lessing-Gymnasium, Otto-Nagel-, Rosa-Luxemburg- , Wernervon-Siemens- und Albrecht-Dürer-Gymnasium. Hochbegabte Grundschülerinnen und -schüler können mit dem 5. Schuljahr auf eines dieser Gymnasien wechseln. Schnelllernerklassen zeichnen sich durch beschleunigtes und erweiterndes Lernen (Enrichment) aus und münden nach der 10. Klasse in die gymnasiale Oberstufe.
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Aufnahmetest für Hochbegabte

Larissa Kilian wurde schon mit fünf Jahren eingeschult. Nach vier Jahren Grundschule wechselte sie in die 5. Klasse des Dathe-Gymnasiums. Ausschlaggebend war ein Lehrerwechsel an der Grundschule, sie fühlte sich nicht mehr ausreichend gefördert. Gemeinsam mit ihren Eltern entschied sie, schon früher aufs Gymnasium wechseln zu wollen. Ihre sehr guten Grundschulnoten und der bestandene Aufnahmetest für Hochbegabte waren die Eintrittskarte auf ein Gymnasium mit Schnelllernerklassen. Sie entschied sich für das Dathe-Gymnasium. Grund war die Biologie- Station der Schule mit mehr als 50 Tierarten – darunter Fische, Schlangen, Kaninchen und Insekten. „Das fand ich als kleines Mädchen, das naturwissenschaftlich interessiert war, toll“, sagt sie.

Der Übergang in die 5. Klasse war nicht so leicht, wie sie es sich vorgestellt hatte. „Es war ein ganz anderes Niveau“, erinnert sie sich. „Von uns wurde ein viel größeres Maß an Selbstständigkeit gefordert.“ Statt Einzelstunden gab es Blockunterricht, die Hausaufgaben schrieb sie zu Hause und nicht mehr im Hort. „Ich musste lernen, mich selbst zu organisieren und mir einen Zeitplan aufzustellen.“ Ihren Klassenkameraden ging es ähnlich, die Noten waren am Anfang bei fast allen schlechter, als sie es von der Grundschule gewohnt waren. „Wir haben uns da gemeinsam durchgekämpft“, sagt Larissa Kilian.
                  
Larissa Kilian wurde schon mit fünf Jahren eingeschult. FOTO: PRIVAT
Larissa Kilian wurde schon mit fünf Jahren eingeschult. FOTO: PRIVAT
Zusammen mit 24 Mitschülern hat sie die Schnelllernerklasse durchlaufen, nur einer schied nach der halbjährigen Probezeit in der 5. Klasse wieder aus, weil sein Notendurchschnitt nicht reichte. Die Kinder gewöhnten sich an die neue Form des Lernens, die Noten wurden wieder besser, die Herausforderung blieb groß. Denn das Konzept lautet: Vier Wochenstunden weniger für Hauptfächer wie Mathe und Deutsch. „Den Stoff haben wir in höherem Tempo durchgenommen.“ Dafür gibt es Enrichmentangebote aus den Bereichen Text und Sprache, Forschen und Experimentieren, Kunst und Kreativität, Fremdsprachen und Kultur, Medien und Information sowie Gesellschaft und Zusammenleben.

Larissa Kilian besuchte bereits in der 6. Klasse den Kurs „Vom Telegraphen zum Handy – Nachrichtenübermittlung“, in der 7. Klasse stand „Musik und Bewegung“ auf dem Stunden beplan. „Aus allen Bereichen war immer etwas dabei, was meinen Horizont erweitert hat“, erzählt sie. Überfordert fühlte sie sich nie. „Das Tempo war genau richtig, um gut lernen zu können.“

Vorliebe für Forschen und Physik

Von der 5. bis zur 10. Klasse lernte sie im engen Verbund der Schnelllerner, die Oberstufe durchlief sie wieder gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der Regelklasse. „Wir waren in den Hauptfächern auf einem ähnlich hohen Niveau“, sagt sie. „Nur haben wir Schnelllerner den Stoff in viel kürzerer Zeit durchgenommen und hatten Zeit für die vertiefenden Kurse.“ Gerade die Enrichment-Kurse im Bereich Mathematik und Naturwissenschaften hätten sie noch in ihrem Wunsch bestärkt, eine naturwissenschaftliche Laufbahn einschlagen zu wollen.

Zum Wintersemester will sie sich an der Technischen Universität (TU) Berlin für Physik einschreiben. Wenn sie ihr Studium aufnimmt, ist sie noch minderjährig, erst im Februar 2020 wird sie 18 Jahre alt sein. Zum Studienbeginn muss die Minderjährige eine Generalvollmacht der Eltern mitbringen – für gefährlichere Experimente in ihrem Studienfach, für Exkursionen und für die Studi-Party, auf der sie ohne Begleitung eines Erwachsenen sonst nur bis 24 Uhr feiern dürfte. Kein Problem für Larissa Kilian, die es gewohnt ist, zu den Jüngeren ihres Jahrgangs zu gehören. „Ich fühle mich gut vorbereitet für die Uni“, sagt sie, „der Weg, den ich eingeschlagen habe, war genau der richtige.“
                          
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